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Schwarzer Hund und Depressionen.

Kapitel 1: Mein schwarzer Hund

Als ich noch ein Kind war, hat mein Vater mir das Buch „Die blauen und die grauen Tage“ vorgelesen. Es geht um die letzten Monate einer Großmutter und ist aus Sicht des Enkels erzählt. Als ich älter wurde, gefiel mir das Bild eines schwarzen Hundes besser. Im 1. Kapitel meines neuen Blog-Projektes möchte ich euch meinen schwarzen Hund vorstellen.

Dass ich das Projekt bereits vor einigen Tagen angekündigt habe, sollte verhindern, dass ich mich drücke. Ich habe zuletzt mit einigen, mir sehr nahe stehenden Personen gesprochen über mein Vorhaben und viel Zuspruch erfahren. Sie machten mir Mut, aber mahnten auch: Es kann Folgen haben für dich, für dein berufliches Leben. Aber wenn ich mit meinen Posts auch nur einer Person helfen kann, hat es sich für mich schon gelohnt.

Daher jetzt raus mit der Sprache: Mein schwarzer Hund ist meine Depression.

Ich bin depressiv. Wer mich wirklich gut kennt, weiß das. Alle anderen, die oft mit mir zu tun haben, aber die Mauer noch nicht durchbrechen konnten, sind jetzt vielleicht überrascht. Ich bin vermutlich nicht gerade das, was man sich unter einem depressiven Menschen gemeinhin vorstellt. Und genau ist der Grund für mein Projekt:

Ich möchte mit dem Klischee aufräumen, dass Menschen mit Depressionen und anderen psychischen Krankheiten grundsätzlich introvertiert, inaktiv und wenig sozial eingebunden sind.

Daher gefällt mir das Bild des schwarzen Hundes so gut: Er ist schwarz, ja. Es ist bekanntlich die Farbe der Trauer, der Dunkelheit und des Unbekannten. Aber er ist ein Hund. Er ist treu und loyal – und leider deshalb auch immer da. Manchmal ist er groß und erdrückend, nimmt fast den ganzen Raum in meinem Kopf, Herzen und meiner Seele ein. Und manchmal ist er klein, verspielt und beschäftigt sich irgendwo am Rande meines Bewusstseins mit sich selbst. Das wichtigste aber ist: Er hält aktiv.

Wer in seinem Leben bislang wenig Kontakt mit depressiven Menschen hatte, stellt sich vielleicht genau das vor, was so oft cartoon-mäßig im Internet und in Fernsehsendungen gezeigt wird: Ein Mensch, der sich selbst und anderen vermeintlich nicht genügt und sich in seine eigene Welt zurückzieht. Meistens dargestellt über einen Menschen, der nur noch im Bett liegt, den Rollladen nicht mehr öffnet und weder isst noch trinkt, noch Kontakt zu anderen Menschen hat. Verständlich, heißt es doch in der offiziellen Definition der Depression:

Bei den typischen leichten, mittelgradigen oder schweren Episoden leidet der betroffene Patient unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert.

ICD-Code

Natürlich gilt für die Definition, dass nicht alle Symptome in allen Schweregraden gleichermaßen auftauchen müssen. Es gibt verschiedene Stufen von Depressionen. Und natürlich handelt es sich um die Definition eines Krankheitsbildes – es wäre absurd, einem Krankheitsbild in seiner Urbeschreibung etwas Positives abgewinnen zu wollen. Doch zu oft ist es genau dieses Bild, das in unseren Köpfen vorherrscht.

Der Versuch, den ich mit meinem Blog nun starten möchte, ist, mit diesem Bild aufzuräumen. Gebloggt wird inzwischen viel – meist anonym – über Depressionen, Burn-out und andere psychische Störungen. Doch, dass es auch eine positive Komponente geben kann, wird oft ausgelassen. Das mache ich mir zur Aufgabe: Euch zu erzählen, was man alles schaffen kann, trotz dem, dass dieses drückende Gefühl immer da ist.

Denn nein: Depressive Menschen liegen nicht nur im Bett. Sie vernachlässigen nicht alle sich, ihre Wohnung oder ihr soziales Umfeld. Sie wohnen nicht stets in ihrem kleinen Schneckenhaus.

Depressive Menschen gehen ebenso jeden Tag zur Arbeit, sie gehen arbeiten, treffen Freunde und Bekannte, kümmern sich um andere, sie gehen einkaufen, haben Hobbys und hören gerne Musik. Sie machen gerne Sport, sie gehen gerne feiern, fahren in den Urlaub. Denn sie sind wie du – und wie ich.

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Disclaimer: Ich schreibe über meine persönlichen Erfahrungen und meinen ganz eigenen Umgang mit dieser Krankheit. Ich möchte den nicht den Eindruck einer Allgemeingültigkeit erwecken. Es geht um eine neue Sichtweise. – Wenn Du mal nicht mehr weiter weißt, wende dich an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.

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Anna Steiner • 31. Oktober 2021


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